Bekenntnisse
Über das Leben und das Schreiben

 





 

Der Sonnenhof

"Großmutter saß im Halbschatten auf der Bank unter den Geranien, deren Farbton einen rötlichen Widerschein auf ihr blasses Gesicht warf. Mit wasserhellen Augen lächelte sie mich an ...
Ich versuchte, alle Eindrücke auf einmal aufzunehmen: Das weiße Haus mit der angrenzenden Scheune und den Stallungen. Die leuchtenden Farben der Blumenbeete im Garten, die zitternden Schattenmuster, die das Geäst der Obstbäume auf den Rasen malte."
Aus der Kurzgeschichte „Etwas bleibt immer“


Aufgewachsen bin ich auf dem Land, was mich sicherlich nachhaltig prägte und woran ich sehr schöne Erinnerungen habe. Der Sonnenhof liegt etwas abseits vom Dorf Katzweiler in der Pfalz. Drei Häuser gehören dazu. Eines davon ist mein Elternhaus. Das Murmeln des Baches hinterm Haus, das Krähen des Hahns am Morgen, das Gackern der Hühner, das Miauen der Katzen und das langgezogene Muuuuh von Rosa, der Kuh – vertraute Geräusche, die mich ebenso durch meine Kindheit hindurch begleiteten wie der Duft von frischgemähtem Gras im Sommer, Kartoffelfeuer im Herbst, oder die Winter, wenn feuchte Wollsachen auf die Stangen über dem Herd zum Trocknen aufgehängt wurden, die beim Schlittenfahren in der Eselsdell nass geworden waren. Wie schön war dann das Gefühl, wenn man die Füße zum Aufwärmen in den Backofen stecken konnte.
Im Frühling schließlich strömte der schwere Duft von Hyazinthen und Narzissen zum Küchenfenster herein, ein Zeichen, dass alles wieder zu neuem Leben erwachte ...
 

 

Schreiben

So lange ich Buchstaben aneinander reihen kann, schreibe ich. Mein Vater arbeitete früher bei einer Krankenkasse. Paketweise brachte er veraltete Formulare mit nach Hause, deren leere Rückseiten meine beiden Brüder und ich zum Malen und Schreiben benutzten. Mein erster „Roman“ entstand auf ausgemustertem rosa Formularpapier. Ich beschrieb die idyllischen Sommerferien einer Zwölfjährigen auf dem Land, so wie ich diese Zeit erlebt hatte, natürlich angereichert mit allerlei Phantasie. Die Heldin war ein Mädchen, wie ich eins sein wollte: Mutig, stark, klug und sämtlichen Jungs überlegen - 

Schreiben und Leben ist für mich nicht voneinander zu trennen. Mein Leben, meine Erfahrungen, meine Vergangenheit - das ist der Steinbruch, aus dem Geschichten werden.


Berufliches

Nach der Grundschule hatte ich die Wahl: Gymnasium in der Stadt oder Hauptschule im Dorf. Ich entschied mich, dort zu bleiben, wo ich war. Weil es vertraut war.Vielleicht auch, weil ich ein wenig Angst hatte vor dem Neuen und Unbekannten. Nach dem Hauptschulabschluss, mit 14 Jahren, kam dann die Veränderung: Täglich musste ich etwa eine halbe Stunde zum Bahnhof laufen, um dann mit dem Zug in die Stadt fahren. Die Stadt, das war Kaiserslautern. Dort lernte ich den Beruf der Apothekenhelferin.
Nach ein paar Jahren Arbeitsleben merkte ich bald, dass dies nicht die Beschäftigung war, womit ich den Rest meines Lebens verbringen wollte. In Marburg, wo ich in den 70er Jahren lebte, ging ich zum Abendgymnasium. Dort konnten Berufstätige innerhalb von vier Jahren das Abitur machen. 1978 hatte ich es geschafft - danach begann ich mein Studium in Heidelberg.

"Es war einmal ein schönes Mädchen mit großen grünen Augen und schwarzem Haar. Sie wuchs auf im fernen Amerika in einem vierstöckigen Haus mit vielen großen Fenstern, die auf eine weitläufige Wiese hinausschauten. Das Kind hieß Anne Harvey und liebte Märchen über alles ... Das Kind bettelte verzweifelt um Aufmerksamkeit, hüpfte von Zimmer zu Zimmer und irritierte Eltern und Geschwister mit seiner Unrast. Es dachte sich dramatische Szenen aus und spielte darin die Hauptrolle..."
Aus: „Blut im Schuh“ Über die Lyrikerin Anne Sexton. Erschienen in: „Schreiben. Halbjahresschrift für Frauenliteratur“, 1984

Das Selbst als literarisches Sujet: Meine Magisterarbeit schrieb ich über die amerikanische Lyrikerin Anne Sexton (1928-1974), die als eine der prominentesten und einflussreichsten Lyrikerinnen ihrer Zeit gilt und zur Schule der „Confessional Poetry“ gehört.

In der Studienzeit schrieb ich immer wieder Artikel, die sich mit Literatur oder Literaten und Literatinnen befassten. Später kamen regelmäßige Buchrezensionen und Besprechungen von Kulturereignissen hinzu.

 
Bücher

„Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich.“
(Christa Wolf)

Bücher waren immer wichtig, obwohl auf dem Sonnenhof kaum welche herumstanden. Im Gemeindehaus allerdings konnte man Bücher ausleihen. Und es gab viele Gelegenheiten, bei denen mir Bücher geschenkt wurden. Langsam, aber stetig wuchs meine Bibliothek. Krimis fanden erst spät darin Platz. Nun füllen sie ein eigenes Regal, das bereits überquillt. Lieblingsautoren wechseln. Lieblingsbücher auch. Doch es gibt Bücher, in die ich immer mal wieder reinschaue. Dazu gehören:

Anita Shreve: "Die Frau des Piloten", "Der weiße Klang der Wellen" und "Olympia"

Pat Barker: „Der Eissplitter“

Martha Cooley: „Der Archivar“

Jodi Picoult: "Neunzehn Minuten"

Patricia Duncker: „Die Germanistin“

Susanna Moore: „Aufschneider“

Michael Cunningham: "The Hours" (Die Stunden)

Andreas Steinhöfel: „Die Mitte der Welt“

Dieter Wellershoff: „Der Liebeswunsch“

Christa Wolf: „Kein Ort.Nirgends“

und viele, viele andere ...

Bücher gehören zu meinem Umfeld. Ein Leben ohne Bücher kann ich mir nicht vorstellen.
Ich bin sicher, ich wäre heute ein anderer Mensch, hätte ich keine Bücher gelesen.


Tod

Ich finde es interessant, über Friedhöfe zu gehen, mir die Grabinschriften anzusehen. Mir vorzustellen, was die Toten, die da in ihren Grüften liegen, für ein Leben hatten ... Der schönste Friedhof, den ich kenne, ist der Père Lachaise in Paris. Ein weitläufiger Park, eine Totenstadt, wo Oscar Wilde, Colette, Frédéric Chopin, Honorè de Balzac, Gertrude Stein, das Dichterpaar Claire und Yvan Goll und viele andere Berühmtheiten begraben sind, deren Gräber zu Wallfahrtsstätten wurden. So auch die Gruft des tragischen Liebespaars Abaelard und Heloise aus dem Mittelalter, deren bittersüße histoire d´amour auf ihrem Grab nachzulesen ist.

Das Leben ist ein Buch, dessen Seiten man nicht zurückblättern kann, so sehr man sich dies auch wünscht. Die letzte Seite das Ende. La Mort.
So lautet eine goldene Inschrift auf einer Bibel aus Porzellan.

Der Ort, an dem einem der Tod am Sichtbarsten vor Augen geführt wird, sind die Katakomben von Paris. Unterirdisch in unübersichtlichen Labyrinthen lagern in diesen uralten, ehemaligen Steinbrüchen abertausende von menschlichen Knochen und Schädeln, die zu bizrarren Mustern aufeinandergeschichtet sind.

 

Vielleicht ist das Schreiben von Krimis eine Möglichkeit, dass der Tod seinen Schrecken verliert ...

 

Mörder

Mörder sind Menschen. Sie haben Vater, Mutter, Geschwister, Freunde, Lebensgefährten. Sie gehen zur Schule, zur Arbeit. Wie jeder Mensch müssen sie mit Verletzungen fertigwerden, mit Niederlagen, mit Traumata ... Sie leben ihr Leben oft unauffällig, bis irgendwann ein Ereignis eintritt, das sie nachhaltig beeinflusst und sie zum Täter werden lässt. Oftmals ist Angst die Triebfeder. Angst, die sich hinter Aggressionen versteckt, Angst, als Versager zurückzubleiben, Angst vor Trennung ...Verschmähte Liebe kann ebenso ein Motiv sein wie die Angst um die Lieben, die man hinterlässt ... Mord kann manchmal ein letzter Ausweg sein, nicht selten geschieht er aus Notwehr. Die Gründe eines Menschen, der zum Mörder geworden ist, sind vielfältig.
Ich möchte Mörder weder von vornherein verurteilen noch in ein Klischee des Bösen pressen.
Ich will ihr Leben nachvollziehen können, die Ursachen und Umstände herausfinden, die sie zu Tätern hat werden lassen. 
Trotzdem habe ich mich natürlich auch schon manches Mal gefragt: würde ich noch genauso viel Toleranz aufbringen, wenn es mein unmittelbares Umfeld treffen würde: Meine Kinder, jemanden aus meiner Familie. Eine meiner Freundinnen. Eine Frage, die schwer zu beantworten ist ...


Der erste Roman

Jedes Mal, wenn ich über die Buchmesse in Frankfurt schlenderte, dachte ich: Eins dieser Bücher könnte von dir sein ... Im Jahr 1998 war es endlich so weit. Mein Roman "Mördergrube" erschien  im Reclan Verlag Leipzig.

Weitere Romane

Inzwischen habe ich etliche Romane und noch mehr Kurzgeschichten geschrieben, die in verschiedenen Verlagen veröffentlicht wurden. Drei Romane sind in der Zusammenarbeit mit Wolfgang Polifka entstanden. Zwei davon unter dem Namen LEA WOLF bei Heyne.
In meiner aktuellen Krimiserie spielt die Koblenzer Kommissarin Franca Mazzari die Hauptrolle. Fünf Bände sind bisher bei Gmeiner erschienen. Weitere sind in der Planung.

 
Glück und Unglück

Glück, das ist ein kostbarer Moment, der schon vergangen ist, ehe man ihn so recht wahrgenommen hat. Es kann Glück sein, eine bestimmte Melodie zu hören, die mich an ein schönes Ereignis erinnert, oder etwas ganz tief in meinem Inneren berührt. Und manchmal ist es Glück, in einer Hotelbar zu sitzen, an einem exotischen Drink zu nippen und dem Barpianisten zuhören, wie er „As time goes by“ spielt ...

Das Unglück wage ich nicht, mir in allen Einzelheiten vorzustellen. Dazu habe ich mein Romanpersonal. Die dürfen schon mal "vorkosten".